BOJE e. V.
Vereinsregister Potsdam VR 8073 P
Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam
IBAN: DE81 16050000 1000983516
BIC: WELADED1PMB
Telefon: 03375 - 529 10 50
Mobil: 0176 - 52 51 48 00
E-Mail: info@boje-brandenburg.de
Land Brandenburg   Aktion Mensch

Ombudschaft


Ombudschaft dient dem Ziel, ein vorhandenes Machtgefälle zwischen Institutionen und BürgerInnen auszugleichen und bei Streitfragen eine gerechte Einigung zu erwirken. Ombudsstellen können über Rechtslagen, Einzelansprüche und Handlungsmöglichkeiten aufklären. Im Bereich der Jugendhilfe können sie zwischen Hilfesuchenden und Jugendämtern, Trägern der freien Jugendhilfe oder anderen Leistungsträgern vermitteln. Im Einzelfall können sie zudem bei der Kontaktaufnahme zu einem Rechtsbeistand behilflich sein und die Betroffenen in einem eventuellen Gerichtsverfahren unterstützen.

Der Begriff Ombudschaft kennzeichnet die Funktion von Ombudsfrauen und -männern. Ombudsmänner konnten historisch erstmalig ab 1809 in Schweden kostenlos von BürgerInnen in Anspruch genommen werden, wenn sie sich durch Entscheidungen der Verwaltung unrechtmäßig behandelt fühlten und darüber beschweren wollten. Heute ist das System der Ombudschaft in der politischen Kultur Skandinaviens sowie der angelsächsischen Länder weit verbreitet, Ombudsfrauen und -männer verfügen dort über weitgehende Rechte und tragen vielfach zur Konfliktregulierung zwischen Bürgern und Verwaltung bei.

Einrichtungen der Ombudschaft arbeiten sehr niedrigschwellig. Sie können von BürgerInnen auf verschiedenste Weise in Anspruch genommen werden, sind außerhalb des Systems angesiedelt, verfügen über das nötige Fachwissen und klären im Gespräch mit Ratsuchenden deren Anliegen. Ihr Ziel ist es, das strukturelle Machtgefälle zwischen Institutionen und BürgerInnen auszugleichen. Das tun sie, indem sie die Ratsuchenden durch Beratung und Unterstützung zu befähigen suchen, selbständig die nächsten Schritte zu gehen, aber auch, indem sie mit deren Einverständnis durch direkte Kontaktaufnahme mit der betreffenden Institution eine Klärung herbeizuführen versuchen oder die Betroffenen dabei unterstützen, die ihnen zustehenden Rechte wie Beschwerdemöglichkeiten bei Behördenleitern, Widerspruchs- und Klageverfahren zu nutzen.

Im 11. und 14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (2002 und 2014) wird die Einführung von unabhängigen Beratungs- und Beschwerdestellen für junge Menschen und ihre Familien gefordert. Beide Berichte empfehlen, den Zugang dazu verstärkt zu ermöglichen.

Die Gründung unabhängiger Ombudsstellen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe begann um 2002, als in Verbindung mit der Kinderrechtediskussion vermehrt Forderungen nach einer Beteiligung junger Menschen laut wurden, während gleichzeitig die Vergabe individueller Jugendhilfeleistungen durch die kommunalen Jugendämter immer stärker eingeschränkt wurde.

Einen weiteren Schub, den Schutz junger Menschen und die Sicherung ihrer Rechte durch Ombudschaften zu fordern, bewirkte die Auseinandersetzung mit der Heimerziehung der Fünfziger- und Sechzigerjahre in den alten Bundesländern durch ehemalige Heimkinder (Runder Tisch Heimerziehung, 2010).